VDH-Hobbyzucht- so solls sein!

VDH-Hobbyzucht- so solls sein


Züchten bedeutet, ein Kulturgut zu erhalten und nicht sinnlos zu vermehren. Dies setzt Kenntnisse in Genetik, Rassestandard, Anatomie, Geburt und Welpenaufzucht voraus und die Bereitschaft, sich ständig neues Fachwissen anzueignen oder zu vertiefen – auch beim erfahrenen Züchter.

Der gesunde Menschenverstand und die Liebe zum Tier sollen im Vordergrund stehen, dann ist die Hundezucht ein schönes, wenn auch anstrengendes Hobby, wenn man es richtig macht.

Ein gegenseitiger Erfahrungsaustausch, Transparenz und kein Konkurrenzdenken unter Züchtern fördert eine gesunde Rasse ebenfalls.

Der zweite Zuchtschwerpunkt ist die Welpensozialisierung.

Wenn jeder Welpe einer Zucht gleich optimal sozialisiert die Zuchtstätte verlassen soll, kann man dies, meiner Meinung nach, nicht bei mehreren Würfen gleichzeitig schaffen. Höchstens 2 Würfe unserer Rasse zeitgleich aufzuziehen, ist ethisch für mich vertretbar und dem einzelnen Welpen und später dem zukünftigen Besitzer gegenüber fair. Außerdem kann so noch eine optimale Gesundheitsbetreuung gewährleistet werden, ohne dass man den Überblick verliert.

Jeder Welpe hat seinen eigenen Charakter. Aus verhaltensbiologischer Sicht muss dieser entsprechend gefördert werden- dies beginnt schon beim Züchter ab der 4.Lebenswoche- was hier versäumt wird, ist nur schwer wieder aufzuholen.

Studien haben gezeigt, dass mangelnde Sozialisierung in dieser Lebensphase für Defizite in der späteren Verhaltensentwicklung des Welpen verantwortlich sind.

Die Welpen sollen verschiedene Menschen, Kinder, andere Tiere, Straßenverkehr/Lärm, Dunkelheit- verschiedene Arten von Untergründen, Alltagsgeräusche und Situationen meistern, mit denen sie später ebenfalls beim Besitzer konfrontiert werden.

Die Welpenpflege wie Gewichtskontrolle, Krallen schneiden, Augen/Ohren/ Nabelkontrolle, regelmäßiges Entwurmen, Kontrolle der Ausscheidungen, Füttern etc. gehören ebenfalls dazu.

Nun hat ein Züchter nicht nur die Welpen, sondern auch die Mutter und evtl. seine anderen Althunde zu betreuen. Diese wollen ebenfalls zu ihrem Recht kommen, ausgelastet werden mit täglichen Spaziergängen, Beschäftigung und Pflege.

Wie viele Stunden hat ein Tag?


Wem sind wir ebenfalls verpflichtet, bzw. wollen wir unsere Zeit widmen- dem Menschen am Ende der Leine- unseren Welpenkäufern!

Diese wollen ihren zukünftigen Hund besuchen ( evtl. mehrmals in der 8-10-wöchigen Aufzucht), wollen Informationen, Beratung, Aufklärung über rassespezifische Erkrankungen und weitere Haltung des Hundes etc. Vor allem mit Hundeanfängern sollte man viele Gespräche führen und sie anleiten und immer ein offenes Ohr für ihre Fragen haben.

Aber auch der gute Züchter möchte wissen, wo sein zukünftiger Welpe einmal leben wird und will für ihn das beste Zuhause.

Da können ebenfalls auch einige verlorene Stunden draufgehen, wenn man merkt, dass dieser Interessent wohl doch nicht der zukünftige gute Hundebesitzer ist, dem man seinen Welpen anvertrauen möchte…

Der Umgang und die Betreuung der Welpenkäufer ist ebenfalls ein großer Zeitfaktor, der gemanagt werden muss.

Für einen verantwortungsvollen Züchter ist es mit dem Verkauf seines Welpen nicht getan, er ist ein Hundeleben lang, Ansprechpartner des zukünftigen Hundebesitzers und möchte auch immer wissen, wie es dem von ihm gezüchteten Hund geht.

Deshalb finde ich, dass die Produktion von Welpen am laufenden Band, nichts mehr mit einer VDH-Hobbyzucht zu tun hat, sondern eher einer Wurfanstalt ähnelt, wo sehr gute hygienische Bedingungen und eine optimale Sozialisierung und Beschäftigung mit den Welpen eventuell nicht mehr gewährleistet werden kann.

Ist dann der Züchter auch noch ganztägig abwesend, ist das unverantwortlich.

Zucht heißt nicht blindes unkontrolliertes Vermehren, egal ob aus emotionalen oder wirtschaftlichen Gründen.

Eine VDH-Zuchtstätte sollte nicht nur den tierschutzgesetzlichen Mindestbestimmungen genügen, sondern es sollen hohe Ansprüche an Hygiene, Platz, Ausstattung und Fürsorge für die gehaltenen Hunde und Welpen gestellt werden.

Züchter sollten sich in erster Linie durch gesunde und gut sozialisierte Hunde einen Namen machen können, nicht so sehr anhand der Anzahl der gezüchteten Hunde.

Qualität statt Quantität!

Deshalb mein Rat an zukünftige Welpeninteressenten:


Machen Sie sich selbst einen Eindruck von der Zuchtstätte!


- Die Zuchtstätte und auch die Althunde sollten sehr sauber und gut gepflegt sein!

Auch die Welpen müssen sauber sein und gut riechen. Waren sie gerade im Garten bei schlechterem Wetter und kommen etwas xdreckigx rein, so zählt dies natürlich nicht als ungepflegt.

- Dürfen auch ältere Tiere beim Züchter leben- Verantwortung gegenüber seinen Senioren.

- Haben alle Hunde sehr viel Platz und riecht es nicht unangenehm nach Urin oder Ausscheidungen?

(zu unterscheiden ist xalter Dreckx von einem gerade auf die Zeitung gemachten frischen Häufchens, das natürlich auch riecht

- Haben die Welpen Zugang zu anderen Räumen und Umweltreizen?

- Bei Ihrem Besuch sollten die Welpen und evtl. Junghunde einen aufgeschlossenen, zutraulichen Eindruck machen und auch sichtbares Zutrauen zum Züchter haben.

- Der Züchter sollte die von ihm gezüchteten Welpen auseinander kennen und nicht erst mit dem Chiplesegerät feststellen, welcher Welpe wer ist! Dies zeugt nicht gerade von einer individuellen und liebevollen Aufzucht!

- Dürfen die Welpen mind. ab der 5./6.Lebenswoche ins Freie- dies ist wichtig für ein gesundes Immunsystem, oder hält der Züchter sie aus Bequemlichkeit lieber nur drinnen?

-Beantwortet der Züchter gerne, ehrlich und bereitwillig Ihre Fragen und zeigt Ihnen auch die Gesundheitsuntersuchungen der Zuchthunde?

§ 1 TschG regelt: Niemand darf einem Tier ohne vernünftigem Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.

Systematische Defizite in der Sozialisierung und Vernachlässigung beim Züchter, sind aber dem Tier zugefügte Leiden und Schäden.

Auch ein Hund hat eine Seele- und aus verhaltesbiologischer Sicht, muss ein Hund in der heutigen Zeit xgesellschaftsfähigx sein und sich dieser heutigen Zeit anpassen können.

Dies gelingt aber nur bei bester Aufzucht durch den seriösen Züchter, der einen gesunden Menschenverstand und Augenmaß besitzt, denn wenn er dies verliert und sich verleiten lässt, zu viele Hunde auf engem Raum hält und züchtet nur um des Erfolges und Geldes wegen, dann geht das auf Kosten und Wohlbefinden von Tier und Mensch- und der Erfolg ist somit zu teuer erkauft.


Doris Steger im September 2013

 

Quellen:
(VDH-Merkblatt :x Sie suchen einen seriösen Züchter?x)

Tierschutzgesetz

 

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