Einschränkung der genetischen Varianz

Einschränkung der genetischen Varianz durch Separierung von Farbschlägen, bzw. Farbvarietäten

Fast alle Rassehunde haben einen Standard, in welchem die Farben oder auch Farbmuster festgelegt sind. Dies entspricht allerdings nur einem vom Menschen gemachten Schönheitsideal und hat gesundheitlich für den Hund keine Bedeutung (Ausnahme Merlefaktor), auf den ich jedoch hier nicht eingehen möchte, da es unsere Rasse, den Cavalier, nicht betrifft.

Als Population wird die gesamte im Zuchtbuch erfasste Rasse bezeichnet. Wenn nach Farben separiert wird, so könnte man hier zum Beispiel die Wholecolours als selbständige Rasse und die Particolours als selbständige, bzw. genetisch separierte „Farb"-Rasse ansehen.

Wenn nur diese bestimmten Farbschläge miteinander verpaart werden dürfen, ist im Prinzip die Population geteilt und dadurch der Genpool sehr eingeengt.

Durch diese zu straffen Selektionsmaßnahmen bezüglich der Verpaarung von nur erlaubten Farbschlägen miteinander, kann die Existenz und die Erbgesundheit der Rasse gefährdet sein.

So sind bei dieser „zu klein gemachten“ Zuchtbasis die Einzeltiere mehr oder weniger miteinander verwandt und dies nur, weil Menschen aus ästhetischen Gründen dies festlegen und sogenannte Fehlfarben aussortieren.

Schönheit liegt im Sinne des Betrachters- und so manchem Liebhaber dieser Rasse gefällt ein fehlgezeichneter, aber dennoch gesunder Hund sehr gut.

Außerdem fallen bei einer Mischverpaarung nicht immer „fehlgezeichnete“ Welpen, sondern auch sehr hübsche und gut gezeichnete Cavaliere, die durch ihre robuste Gesundheit sehr wertvolle Zuchttiere werden können. Sie sind weitgehend heterozygot, d.h. durch ihre genetische Beschaffenheit äußerst vielversprechend, denn durch eine hohe Heterozygotie werden Defektgene in wesentlich geringerer Anzahl oder gar nicht zur Auswirkung kommen. Hunde mit dieser genetischen Varianz sind sehr leistungsfähig, vital und widerstandsfähig.

Inzucht, also eine jahrelange genetische Isolation, d.h. es werden immer Tiere innerhalb der gleichen Familien angepaart, führt dazu, dass diese Nachkommen vom Phänotyp besonders ihren Eltern und Verwandten gleichen-…., allerdings genetisch „ausgelaugt“ sind. Erbdefekte treten gehäufter auf und sie sind oft körperlich kränklich, die Fruchtbarkeit und das Lebensalter kann abnehmen.

Für eine gesunde Fortpflanzung und dem Entgegenwirken einer Genpoleinengung ist es wichtig, dass so viele Zuchttiere wie möglich zur Verfügung stehen, die nicht miteinander verwandt sind.

Der ICC ist ein Rassezuchtverein, der seine Züchter mit keinerlei Farbbeschränkungen belegt. Es wird darauf geachtet, möglichst nicht verwandte Tiere anzupaaren (mind.26-Ahnenregelung).

So ist im ICC, wie auch in England, dem Ursprungsland des Cavaliers, und in vielen anderen Ländern erlaubt, Wholocolour x Particolour miteinander zu verpaaren, um eine möglichst großen Genpool zu erhalten und auch ein mögliches „Auseinanderdriften“ der beiden Farbvarietäten bzgl. des Wesens und des Phänotyps zu vermeiden.

Sind wir ehrlich, so sehen oder erleben wir immer öfter, einen Unterschied bezüglich des sanften Wesens zwischen Particolour und des eigenwilligeren Wesen des Wholecolours.
Wenn man von diesen Verhaltensmerkmalen alleine ausgeht, so finde ich es schon aus diesen Gründen wichtig, unsere Rasse „wieder zu vereinen“, d.h. auch Wholecolour x Particolour zu verpaaren.
Eine Verbesserung der Köpfe und des süßen Ausdrucks kann ebenfalls durch diese „Mischverpaarungen“ erreicht werden.

Natürlich sollten wir auch bei diesen Verpaarungen ein konkretes Ziel verfolgen, die Gesundheit und die Vitalität der Rasse zu erhalten bzw. zu verbessern und vor allem in Generationen denken und überlegen, welcher Rüde zur Hündin passt und nicht aus Bequemlichkeit zum Rüden um die Ecke fahren.
 

© Doris Steger Oktober 15.10.2011
 

Literatur: Praktische Genetik für Hundezüchter von Dr. Friedmar Krautwurst

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